„Und ich war da“… -  Lesung des Bamberger Schriftstellers Martin Beyer 


Der Bamberger Schriftsteller Martin Beyer stellte am 9. Juli 2026 am Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt vor Schülern der 10. Jahrgangsstufe seinen Roman „Und ich war da“ vor. Das Werk entstand zwar bereits im Jahr 2019, hat aber nichts an Aktualität, gerade für junge Menschen, verloren. Die Intention für das Buch hatte der Autor in Bamberg, da er einige Jahre im Henkershaus in der Magazinstraße lebte. Hier stieß er auf einen ehemaligen Bewohner des Hauses, einen der letzten Scharfrichter in Bayern, den Henker Johann Reichart. Dieser führte rund 3000 Hinrichtungen mit der Guillotine für das NS-Regime durch. Zu seinen traurigen und gleichzeitig berühmtesten Opfern zählten auch die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die der Widerstandsbewegung Weiße Rose angehörten.


Bei den Recherchen der Hinrichtungsprotokolle entdeckte Martin Beyer, dass viele Beteiligte namentlich genannt wurden, allerdings nicht die beiden Gehilfen des Scharfrichters. So entstand nun die Idee, einen jungen Mann, die Hauptfigur, zu erfinden, einen Feigling und Mitläufer, der sich zum Helfershelfer bei der Hinrichtung der Geschwister Scholl machen lässt, am 22. Februar 1943, dem Tag der Hinrichtung. Was bewegt diesen jungen Mann, sein Leben nicht für die Ideale von Gerechtigkeit und Freiheit aufs Spiel zu setzen wie der gleichaltrige Hans Scholl? Was passiert, wenn man sich passiv treiben lässt, über sich entscheiden lässt, dem Unrecht tatenlos zusieht und Ungerechtigkeit einfach so geschehen lässt. Gerade daher ist dieser Roman wichtig für junge Menschen heute.


Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt, ist freier Autor und Dozent für Kreatives Schreiben. Sein aktueller Roman “Elf ist eine gerade Zahl“ wurde 2025 veröffentlicht. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den Kunstförderpreis und den Walter Kempowski Literaturpreis. Martin Beyer lebt heute mit seiner Familie in Bamberg.