Mathematik in der Schatztruhe - P-Seminar entwickelt Escape-Games für Grundschulen
Gespannt stehen die Drittklässlerinnen und Drittklässler vor einer verschlossenen Schatztruhe. Mehrere Schlösser versperren den Weg zum Ziel. Die Uhr tickt. Nur wer gemeinsam knifflige mathematische Rätsel löst, findet rechtzeitig die richtigen Zahlenkombinationen. Schon nach wenigen Minuten wird eifrig gerechnet, kombiniert, diskutiert und gejubelt – Mathematik wird hier zum Abenteuer. 
Möglich gemacht hat dieses besondere Erlebnis das Projekt-Seminar „Escape-Games für die Grundschule 2.0“ mit dem Leitfach Mathematik am Gymnasium Fränkische Schweiz (GFS). Ziel eines P-Seminars in der Oberstufe des Gymnasiums ist es, theoretisches Wissen mit praktischer Projektarbeit und Berufsorientierung zu verknüpfen.
Die Aufgabe für die Elfklässlerinnen und Elftklässler bestand darin, fünf mobile Escape-Game-Truhen für dritte Klassen zu konzipieren, mit denen mathematische Grundfertigkeiten spielerisch geübt und vertieft werden können. Solche pädagogisch eingesetzten Spiele werden als „EduBreakouts“ bezeichnet. Sie verbinden das fachliche Lernen auf innovative Weise mit Teamarbeit, Kreativität und problemlösendem Denken.

Von São Paulo in die Fränkische Schweiz – Die Konzeptionsphase
Damit aus den ersten Ideen überzeugende Spielkonzepte entstehen konnten, beschäftigten sich die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer zunächst intensiv mit dem Aufbau und dem Design erfolgreicher Escape-Rooms. Ein besonderes Highlight war dabei eine internationale Videokonferenz nach São Paulo (Brasilien): Der Cousin einer Seminarteilnehmerin entwickelt und betreibt dort im „Casa dos Gênios“ Escape-Rooms zu den historischen Persönlichkeiten Albert Einstein, Marie Curie und Thomas Edison. Er gab den Jugendlichen spannende Einblicke in das professionelle Rätseldesign und vermittelte wertvolle Impulse für die Gestaltung der eigenen mobilen Truhen.
Lehrplananalyse, Hospitation und kollegialer Austausch
In Fachreferaten erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Rätseltypen sowie digitale Werkzeuge, die sich für EduBreakouts eignen. Ein zentraler Aspekt war jedoch die didaktische Passung: Welche mathematischen Inhalte und welcher Schwierigkeitsgrad sind für Drittklässler angemessen? Um dies exakt abzustimmen, analysierte das P-Seminar den Grundschullehrplan und hospitierte im Mathematikunterricht einer dritten Klasse an der Grundschule in Ebermannstadt.
Einen weiteren wertvollen Einblick bot der Besuch der Grundschullehrerin und Seminarleiterin Michaela Klein, die gemeinsam mit ihren Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern einen Seminartag am Gymnasium Fränkische Schweiz verbrachte. Die angehenden Grundschullehrkräfte testeten die Escape-Game-Schatztruhen und gaben den Elftklässlerinnen und Elftklässlern wertvolle Rückmeldungen. Gleichzeitig erhielten sie Anregungen für den Einsatz mathematischer Escape-Games in ihrem eigenen zukünftigen Unterricht.
Kreative Umsetzung und intensive Testphase
Gestaltet wurden die Rätsel und Schatztruhen in Partnerarbeit. Mit viel Kreativität wurden stimmige Rahmenstorys entworfen, Materialien getestet, passende Schlösser ausgewählt und die logischen Spielabläufe immer wieder feinjustiert. Vor dem finalen Einsatz durchliefen alle Spiele eine zweistufige Testphase: zunächst innerhalb des P-Seminars, danach im Praxistest mit einer fünften Klasse des Gymnasiums. Die Rückmeldungen halfen dabei, letzte Details zu optimieren und die Spiele perfekt auf die Zielgruppe abzustimmen.

Der Praxistest: Fünf Abenteuer im Juli
Anfang Juli war es schließlich so weit: Vier dritte Klassen aus den Grundschulen in Ebermannstadt, Gößweinstein und Weilersbach sowie die Kombiklasse 3/4 aus Unterleinleiter folgten an zwei Vormittagen der Einladung an das Gymnasium Fränkische Schweiz und tauchten mit großer Begeisterung in die selbst entwickelten Szenarien ein: „Abenteuer im Dino-Land“, „Rettet den Fuchs“, „Die letzte Vorstellung“, „Gefangen in der Zeit“ und „Zurück zur Erde“. An allen Stationen wurde im Team geknobelt, logisch kombiniert und nach Lösungen gesucht. Mit jedem geknackten Code öffnete sich ein weiteres Schloss, bis schließlich der Schatz gehoben wurde. Als bleibende Erinnerung erhielten alle Grundschulkinder zudem eine eigens vom Seminar gestaltete Urkunde.
Fazit und Ausblick
Für die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars bildeten diese beiden Vormittage den Höhepunkt eines Schuljahres intensiver Arbeit. Sie waren sichtlich stolz darauf, zu erleben, mit welcher Begeisterung, Ausdauer und Kreativität sich die Grundschulkinder daran machten, die Rätsel zu lösen und wie dabei Teamarbeit, Kommunikation und logisches Denken zusammenwirkten. Das Projekt zeigte eindrucksvoll, dass Mathematik weit mehr sein kann als reine Rechenarbeit – nämlich gemeinsames Entdecken, Knobeln und gemeinsame Erfolge.
Ein herzlicher Dank gilt der Vereinigung der Freunde des Gymnasiums Fränkische Schweiz, welche die Materialkosten für das Projekt großzügig übernommen hat. Ohne diese Unterstützung wäre die Herstellung der Escape-Game-Truhen in dieser Form nicht möglich gewesen.
E. Schneider (Leiterin des P-Seminars) für das P-Seminar Mathematik



