Vier Pfoten für ein gutes Lernklima: Schulhund Marty unterstützt den Unterricht am GFS
Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Durch einen Nebeneingang betritt ein junger Hund namens Marty zusammen mit seinem Frauchen, der Lehrerin Anna Schwarz, die noch leeren Flure des Gymnasiums Fränkische Schweiz in Ebermannstadt. Marty nutzt diese Ruhe für seine erste Erkundungsrunde im Klassenzimmer: schnuppernd läuft er durch den Raum. Erst ab 07:30 Uhr strömen die Schülerinnen und Schüler hinein. Neugierige Blicke, ein aufgeregtes Kichern. Marty bleibt zunächst angeleint, bis alle sitzen und der Unterricht beginnt. Wenig später bewegt er sich frei durch den Raum – ruhig, aufmerksam, mit wachem Blick.
Seit Mitte Januar begleitet der junge Mischling aus Labrador, Australian Shepherd und Collie an zwei Tagen pro Woche den Unterricht von Anna Schwarz. Geboren am 12. Dezember 2024, bringt er ideale Voraussetzungen für seine neue Aufgabe mit: als „sozial, empathisch, interessiert und belastbar“ wird er beschrieben.
Ausbildung mit Verantwortung
Vor seinem ersten Schultag absolvierte Marty eine Schulhundausbildung bei „Familienhund Bavaria“. In den Herbstferien durchlief er eine intensive Woche mit Theorie- und Praxisteil, Abschlussprüfungen und Eignungstest. Die Investition von rund 1.000 Euro markiert dabei nur den Anfang: Schulhundeteams werden jährlich auf ihre Einsatzfähigkeit und Sicherheit überprüft. Hinzu kommen eine spezielle Haftpflichtversicherung, tierärztliche Gesundheitsnachweise mit regelmäßigen Impfungen, Entwurmung und Parasitenprophylaxe. Auch die Eltern- und Schülerschaft wurde vorab transparent über den Einsatz des Schulhundes informiert.
Ein Gespür für Stimmungen
Marty ist kein Therapiehund – und doch entfaltet seine Anwesenheit eine besondere Wirkung. Als pädagogischer Begleiter ist er Teil des Unterrichts, sofern keine Allergien oder Ängste bestehen. Dabei geht es nicht um Kunststücke oder Unterhaltung. Seine Aufgabe ist subtiler. Hunde, so die Erfahrung seiner Halterin, lesen Körpersprache und Stimmungen oft schneller als Menschen. Nicht selten steuert Marty gezielt auf einzelne Schülerinnen oder Schüler zu – auf jene, die gerade unruhig wirken oder Unterstützung gebrauchen können. Manchmal reicht eine kalte Schnauze am Handrücken, ein wedelnder Schwanz oder die wortlose Einladung zum kurzen Streicheln.
Gleichzeitig bieten sich durch seine bloße Anwesenheit aber auch konkrete Lernanlässe: Im Religionsunterricht regen Fragen zu Tierethik, Verantwortung und Gewissen zum Nachdenken an. In den Fremdsprachen wird Marty zum Anlass, Befehlsformen, Wortschatz oder Grammatik praktisch anzuwenden. In Gesprächen, etwa im Rahmen der Tätigkeit als Verbindungslehrerin, kann seine bloße Anwesenheit „helfen, Anspannung abzubauen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Anna Schwarz.
Klare Regeln schaffen Sicherheit
Damit das Miteinander gelingt, gelten verbindliche Regeln: Marty wird nicht am Kopf oder an den Schultern gestreichelt, nicht umarmt und nicht angestarrt. Immer nur eine Person hat gleichzeitig Kontakt zu ihm. Nach Schulhundstunden werden die Hände gewaschen, Futter von Schülerseite ist tabu. Bestimmte Räume wie Küche, Pausenverkauf, Chemiesaal oder Turnhalle darf er nicht betreten. Auch bei Prüfungen ist er selbstverständlich nicht anwesend.
Der Umgang mit ängstlichen Schülerinnen oder Schülern erfolgt individuell. Manche lernen den Hund zunächst allein kennen, ohne den Druck der Gruppe. Anderen fällt der Kontakt im Sitzen leichter. Wenn nötig, bleibt Marty einzelnen Klassen aber auch fern – denn eine störungsfreie Lernumgebung für alle hat oberste Priorität.
Erste Beobachtungen
Ob sich der Einsatz langfristig wie erhofft auch auf eine Reduktion von Fehlzeiten auswirkt, lässt sich aktuell nach so kurzer Zeit noch nicht sicher beurteilen. Auffällig ist jedoch das große Interesse und die Begeisterung vieler Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig zeigt sich eine bemerkenswerte Rücksichtnahme: Die Lautstärke wird bewusster reguliert, Taschen stehen ordentlich, herumliegende Gegenstände werden vermieden. Trotz tierischer Präsenz bleibt die Aufmerksamkeit im Unterricht erhalten.
Gerade im ersten Jahr spielen Ruhephasen dabei eine zentrale Rolle, um den jungen Hund nicht zu überfordern. „Er entscheidet selbst, wohin, wann und ob er zu einem Schüler geht“, betont seine Halterin. „Er ist mein Partner. Ich beobachte genau, wie und worauf er reagiert. Wichtig ist, dass sich alle wohlfühlen – der Hund, die Schülerinnen und Schüler und ich.“
Blick nach vorn
Langfristig sind weitere Schritte geplant: Ein Hundeführerschein (möglich ab 24 Monaten) sowie die Begleithundeprüfung (ab 15 Monaten) stehen perspektivisch an.
Die Hoffnung, die mit dem Einsatz des Schulhundes verbunden ist, ist klar formuliert: Auch ohne therapeutischen Auftrag soll Marty als emotionaler Ruhepol wirken, das Wohlbefinden stärken, Empathie und Sensibilität fördern – und vielleicht langfristig sogar Fehlzeiten reduzieren. Fest steht aber jetzt schon: Marty bringt frischen Wind – und spürbar mehr Ruhe – in so manches Klassenzimmer und wird als neues Mitglied der Schulfamilie am GFS schon jetzt sehr geschätzt.
StRin Julia Klump



