Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
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BlätterWald-Lesung in der Mediathek.

Im Rahmen der BlätterWald Literaturwochen fungierte unser Gymnasium in diesem Jahr erstmals als Gastgeber. Am 13. November las Rainer Streng vor etwa 70 interessierten Zuhörern in der Mediathek des GFS den "Bericht für eine Akademie" von Franz Kafka. Dem Stoff entsprechend hatten Schüler der Oberstufe die Räumlichkeiten zuvor für die Veranstaltung ansprechend vorbereitet. Zwei überlebensgroße Kafkaportaits waren in präziser Handarbeit gestaltet worden und umrahmten den Vortragenden eindrucksvoll.  Daneben lieferten anschauliche gestaltete Stellwände den Besuchern Informationen nicht nur zum konkreten Text, sondern zu Leben und Werk Kafkas allgemein.

Das Publikum durfte sich dann über einen lebendigen, szenischen Auftritt freuen, denn Streng ist nicht nur ausgebildeter Schauspieler und Regisseur, sondern auch Experte in Ausspracheschulung.
So las er die Erzählung nicht einfach, sondern konnte als Ich-Erzähler die Geschichte des Affen Rotpeter, der für den Zoo gefangen und in einem engen Käfig mit dem Schiff nach Europa transportiert wird, eindrücklich veranschaulichen. Der Affe sucht einen Ausweg aus seiner misslichen Lage und findet ihn darin, zu einem Menschen zu werden, mit allem, was dazugehört: auch dem Trinken von Alkohol - was ihm die größten Mühen bereitet.
Streng schaffte es virtuos, das Grenzgängertum Rotpeters zwischen Affe- und Menschsein darzustellen. Eine angedeutete Kostümierung überzeugte hier ebenso wie sehr authentische Tiergeräusche, die er immer wieder einfließen ließ.

Nach der Lesung hatten die Zuhörer, unter denen sich auch nicht wenige ehemalige Schüler befanden, Gelegenheit zur Diskussion. Neben der rein technischen Fragestellung, wie es denn gelingt, sich in eine solche Rolle einzufühlen, standen hier durchaus gesellschaftlich-philosophische Überlegungen im Mittelpunkt: Ist der Affe der bessere Mensch? Kann Erziehung überhaupt gelingen? Was sagt Rotpeters Geschichte über den vermeintlichen zivilisatorischen Fortschritt des Menschen aus?
Da Kafkas Erzählungen immer verrätselt sind, gab es auch hier keine abschließende Antwort. Der Zuhörer verließ die Veranstaltung daher angeregt, sich weiter Gedanken zu machen.

A. Hertrich


 
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