Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
 HOME  |  SITEMAP  |  IMPRESSUM  |  DATENSCHUTZ  |  KONTAKT
   
 
Vorhang auf für das Geschäft mit dem Sport

Der ehemalige Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann besuchte zum wiederholten Mal das Gymnasium Fränkische Schweiz. Diesmal jedoch nicht in seiner Funktion als Botschafter und Schulpate für "Schule ohne Rassismus", sondern als Experte rund um "das Geschäft mit dem Sport". Im gleichnamigen W-Seminar der Oberstufe sprach er über seine langjährigen Erfahrungen mit Vereinsbossen und Managern, Sportagenturen und Spielern und gab Einblicke in die Welt "hinter dem Vorhang".

Im coronakonformen Abstand warten gespannt 13 Schülerinnen und Schüler in der Mediathek des GFS auf Trainerlegende Dirk Bauermann. Trotz engen Terminplans und bevorstehenden Zweitligastarts mit seinen "Rostock Seawolves" ist dieser der Einladung nach Ebermannstadt gefolgt. Er ist gekommen, um den Jugendlichen etwas über "das Geschäft mit dem Sport" zu erzählen - dem Kernthema ihrer Seminararbeiten. Als Bauermann sich ans Pult setzt, beginnt er aus dem Nähkästchen zu plaudern.

"Im Profisport gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Erfolg eines Clubs und dem zur Verfügung stehenden Budget", sagt Bauermann. "Trotzdem ist Geld nicht alles. Die persönliche Empathie der Spieler untereinander ist sehr wichtig." Und die versucht er als Trainer auch immer mitzuentwickeln. In seiner Zeit beim FC Bayern etwa hat er erfahren, dass der Verein, neben dem Geld auch auf eine kollektive Identität baut. Die Münchner leben es wirklich, dieses "Mia san mia" Gefühl.

Verglichen mit dem Fußball, ist der Spielermarkt beim Basketball ganz anders aufgebaut. "Es gibt kein Transfersystem und keine Ablösesummen", erklärt der 62-Jährige. "Wenn ein Spieler seinen Vertrag erfüllt hat, kann er als Free Agent von jedem Verein der Welt geholt werden." Dabei spielen die Agenturen eine große Rolle. "Mir werden täglich Spieler angeboten, durchschnittlich bekomme ich deswegen mindestens fünf E-Mails." Wenn ihm ein Spieler zusagt und er glaubt, dieser könnte sein Team verstärken, kann sich Bauermann auf einer Website alles zu dem Athleten anschauen - von Statistiken bis zu Videotags. Jeder einzelne Ballbesitz ist in diesem System zu finden. Bei Interesse telefoniert er natürlich auch mit befreundeten Trainerkollegen, um etwa zu erfahren, wie der Spieler mit Niederlagen umgeht oder wie es um seinen Trainingsfleiß bestellt ist.

Am Ende seiner Ausführungen gewährt Bauermann den Ebermannstädter Gymnasiasten noch einen Blick in die Seele seiner Spieler. "In dem ganzen Geschäft haben es die am schwersten. Denn sie müssen produzieren." Ein Spieler habe in etwa zwölf Jahre als Profi und ein gut dotierter Anschlussjob sei nicht immer in Aussicht, so der 62-Jährige. In einem Sport, in dem alle individuellen Leistungen statistisch messbar sind und ausgewertet werden, zählt die persönliche Statistik mehr als der mannschaftliche Erfolg. "Da muss man sich auch mal überlegen, was das mit den Spielern macht", gibt der Coach zu bedenken. "Es korrumpiert ihre Seele."

Nach einer knappen Stunde, in der die Schülerinnen und Schüler förmlich an den Lippen des charismatischen Redners hingen, stand ihnen dieser auch für ihre Fragen zur Verfügung und ließ sie nochmals teilhaben an seinen weitreichenden internationalen, aber auch sehr persönlichen Erfahrungen aus der (Geschäfts-)Welt des Sports - Erfahrungen, die sicher in die eine oder andere Seminararbeit einfließen werden.

T. Beckenbach

 


 
Top! Top!