Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
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Langstreckenwanderin und Bestsellerautorin Christine Thürmer zu Gast am GFS
Nach „Laufen, Essen, Schlafen“ aus dem Jahr 2016 wechselte die Langstreckenläuferin Christine Thürmer im Frühjahr 2018 zum „Wandern, Radeln, Paddeln“ über.
Das sind die beiden Buchtitel mit den jeweiligen Erscheinungsdaten der mittlerweile zur Bestsellerautorin aufgestiegenen Ex-Forchheimerin. Das erste Buch führte allein neun Wochen lang die Spiegel-Bestsellerliste im Sommer 2016 an.
Groß ist bisher auch die Nachfrage nach dem zweiten Band. Handsigniert durch die Autorin selbst stehen die beiden Bände nun auch in unserer Mediathek und warten auf lesehungrige Schüler.

Nach einen Schlüsselerlebnis eines Freundes, der durch einen Schlaganfall von heute auf morgen aus der täglichen Tretmühle gerissen wurde, stieg auch sie im Jahr 2004 um, wie sie es sagt, und beendete ihre Karriere als Managerin. Christine Thürmer sieht sich weniger als „Aus-“ sondern vielmehr als „Umsteigern“, seitdem sie seit nun fast vierzehn Jahren die Welt auf ihren zwei Füßen, aber auch mit dem Rad oder dem Kanu, erkundet. Eigentlich hat sie sogar schon mit rund 43 000 gelaufenen Kilometern einmal die Erde umrundet.
Unsere Schule hatte am 26. Oktober 2018 Christine Thürmer zu Gast in die Mediathek geladen.
Carmen Kestler, die an unserer Schule Deutsch, Ethik und Geschichte unterrichtet, hat als Jugendliche mit der heute „meistgewanderten“ Frau der Welt in Forchheim die Schulbank gedrückt. Dass die ehemalige Schulfreundin eher ungelenkig im Sportunterricht mit einem „Gnadenvierer“ davon kam und ansonsten eher eine Streberin war, verriet Frau Kestler unter dem Siegel der Verschwiegenheit dem Publikum. Die alte Freundschaft der beiden kam Schülern der zehnten und der neunten Jahrgangsstufe und einigen Lehrern zugute, die den Vorträgen exklusiv lauschen konnten.
Studiendirektor Michael Schneier aus dem Direktorat organisierte den Ablauf, so dass die Präsentation problemlos über die Bühne lief. Dabei ging es aber nicht nur um die Trails der Langstreckengeherin, die sie von Kanada nach Mexiko oder vom südlichsten Punkt Europas in Spanien bis zum nördlichsten in Norwegen führten. Christine Thürmer ist mittlerweile zum Medienprofi avanciert.
Für unsere Schüler hat sie hinter die Kulissen der einen oder anderen Talk-Show geschaut. So erzählt sie zum Beispiel vom ZDF-Moderator Markus Lanz, der in seiner gleichnamigen Show auch nicht alles über jeden Gast weiß, wie es uns Zuschauern erscheint. Er muss sich daran halten, was ihm die Regie über einen „Knopf im Ohr“ während der Sendung einflüstert, das aber beruht auf vorab abgesprochenen Fragen und Antworten. Was oft so locker und spontan im TV „rüberkommt“, ist das Ergebnis einer minutiös geplanten Vorbereitung. Die vermeintliche Live-Show wird auch schon am Nachmittag aufgezeichnet; es wird also nichts dem Zufall überlassen.
Wenn Christine Thürmer nicht gerade alle sechs Wochen ein paar Schuhe durchläuft oder auf einer Talk-Couch sitzt, unternimmt sie Vortragsreisen. Als One-Man-Show stellt sie auf witzige Weise ihr ungewöhnliches „Wanderleben“ mit vielen Bildern dar, die ihr Äußeres während der Tour völlig ungeschönt darstellen. Mit dem „Hobby-Wandern“, was „Unsereinen“ am Wochenende durch die „Fränkische“ treibt, hat das allerdings nichts zu tun. Für Christine Thürmer ist diese Berufung zum Beruf und zum Lebensinhalt geworden.
Entspannte Wander-Romantik ist also fehl am Platz. Ihre Touren, „unter 1000 Kilometer geht gar nichts“, werden im Vorfeld streng „durchgetaktet“. Mehr als fünf Kilo Gepäck auf dem Rücken dürfen es nicht sein. Da werden sogar die Stiele der Zahnbürsten abgesägt oder die Etiketten aus den T-Shirts herausgetrennt, um ein paar Gramm Gewicht zu sparen. Mit einem Ultraleicht-Zelt, von denen sie eines im Jahr „verbraucht“ geht es minimalistisch zu. Pensionsbett mit Dusche ist nur drin, wenn sie an einer Stadt vorbeikommt, ansonsten ist die Natur das Zuhause.
Freilich gerät sie trotz aller Planungen immer wieder in groteske Situationen, wie sie in ihren Büchern zu lesen sind. Die Schüler staunen mit großen Augen, wenn sie berichtet, ein wilder Bär in Kanada sei eine Viertelstunde brav neben ihr hergelaufen oder sie habe Wasser aus einer Viehtränke in den Prärie der Vereinigten Staaten getrunken, indem tote Ratten ihr tragisches Ende gefunden haben.
Das nächste Buch übrigens, über welches sie noch nichts verraten darf, entsteht gerade in ihrem Kopf.
Geld kommt in die Kasse, weniger durch den Verkauf der Bücher als vielmehr durch diese Vorträge. So ist auch schon ihr nächsten Trip von Chile bis nach nach Patagonien vorfinanziert. Richtig reich kann man aber dabei nicht werden, erklärt uns die ausgebuchte „Vorträgerin“. Angebote von Outdoor-Ausstattern nimmt sie grundsätzlich nicht an, um sich nicht abhängig zu machen. Für teure Kosmetik, Schmuck oder Klamotten hat sie nichts übrig. Ein Auto fährt sie nicht. Zum Wohnen, wenn sie im Lande ist, gibt es seit kurzem erst ein kleines Zimmer in einer Berliner Plattenbausiedlung. Dort soll auch das nächste Buch entstehen. Der einzige Luxus, den sie sich auf den Reisen erlaubt, sind Berge von Schokolade, die sie pfundweise verzehren kann, ohne etwas zuzunehmen. Ansonsten gibt es auf der Tour meist Müsli mit kalten Wasser oder den geschmacksverstärkten Inhalt von Tütensuppen.     
Die Zeit an diesem Vormittag rast und die Schüler haben noch viele Fragen. Wenngleich niemand im Publikum sich vorstellen könnte, ein Leben wie Christine Thürmer zu führen, so hat sie doch mit vielen Jugendlichen zumindest eines gemeinsam: Die Berufswanderin (oder heißt es Wandererin?) outet sich nämlich Medienjunkie. Ihr Smartphone ist während der Touren Navigationsgerät, Unterhaltungsmedium und oft der einzige lebenswichtige Kontakt zur Welt. Denn letztlich ist sie auf ihren Touren immer allein. Jeder müsse sein ganz eigenes Tempo im Leben finden, so die weise Antwort.
Wir bedanken uns bei Christine Thürmer für den Blick über den Tellerrand, den sie uns ermöglicht hat, mit einem Korb voller Schokolade und hoffen, dass sie uns vielleicht im nächsten Jahr wieder teilhaben lässt an ihrem im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Leben.

C. Kestler


 
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