Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
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„Mit 10 Millionen Trikots wäre Messi bereits finanziert“

Am GFS geben sich derzeit bekannte Sportstars die Klinke in die Hand, um die Schüler des WSeminars „Das Geschäft mit dem Sport“ mit Insiderwissen zu füttern. Nach Dirk Bauermann besuchte nun Frank Kramer das Wiesentstädtchen. Der hat momentan etwas, was er sonst nicht hat. Zeit. Zeit, die sich der studierte Lehrer genommen hat, um nach Ebermannstadt zu kommen und den Schülern des Gymnasiums Fränkische Schweiz etwas über seine Erfahrungen im Fußballgeschäft zu erzählen. Der Einladung seines ehemaligen Studienkumpels, Sportlehrer Tobias Beckenbach, ist er gerne gefolgt. Er ziert sich aber etwas, als dieser ihn als
Jahrgangsbesten der DFB-Ausbildung zum Fußballlehrer vorstellt. „Deine Schüler denken ja sonst, dass ich ein totaler Streber bin“, witzelt Kramer.

Der ehemalige Bundesliga-Cheftrainer (TSG Hoffenheim, SpVgg Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf) und Junioren-Nationaltrainer des DFB (U18-U20) hatte aber stets den richtigen Focus. Immer wenn Zeit war, hat er sich als Trainer weitergebildet und es damit im Leben gut erwischt. „Ich weiß, dass ich zu den Privilegierten gehöre, denn meine Familie und ich leben ganz gut, von dem was ich tue. Aber es ist Fluch und Segen zugleich“, betont der 48-Jährige. Denn die Kehrseite der guten Versorgung bedeutet, dass die Familie größtenteils auf sich allein gestellt ist.

Zuletzt war Kramer in Österreich tätig. Als Leiter der Nachwuchsakademie von Red Bull Salzburg. „Da kam ich am Samstag meist erst gegen 22 Uhr nach Hause und war am Montag um vier schon wieder auf der Autobahn.“ Überhaupt ist er in seinem Job viel unterwegs. Als Nationaltrainer hat er sich manchmal 120 bis 140 Livespiele pro Jahr angeschaut, etwa um seine Schützlinge zu sehen oder zum Scouting.

Die Frage, ob die Gehälter, die im Profifußball bezahlt werden, zu hoch sind, beantwortet der Coach mit einem klaren Ja. „Aber der Fußball ist eben auch die weltweit populärste Sportart! Ich kenne Triathleten und Leichtathleten, die immer Tränen in den Augen haben, wenn es um das Gehaltsthema geht.“ Schattenseite ist dafür die Kurzlebigkeit des Trainergeschäfts. „Manchmal muss man seine Sachen packen, obwohl man noch gar nicht dazu bereit ist.“ Die Vereine sind strukturiert wie Wirtschaftsunternehmen. Da ist der Erfolg Bedingung. Deshalb werden Trainerentlassungen zu Beginn der Saison ebenso mit einkalkuliert wie die Beraterhonorare bei Spielertransfers, so Kramer.

Die Corona-Krise hat den Proficlubs deutliche Einbußen bei den Zuschauereinnahmen von etwa acht Prozent beschert. Das macht Vereinen wie Bayern München noch keine Sorgen, denn die Gelder von Partnern wie Audi und Adidas fließen weiter. Bei anderen Teams fragen sich Sponsoren wie Puma dann schon einmal, wer noch ihre Trikots kaufen soll, wenn die Spieltage ohne Fans im Stadion stattfinden müssen. Denn Merchandising und TV-Rechte bringen den Vereinen das große Geld.

Das wirft bei den Jugendlichen natürlich die Frage nach der Finanzierbarkeit eines Spielertransfers wie Lionel Messi auf, der für ein Gesamtbudget von einer halben Milliarde Euro bei Manchester City im Gespräch ist. „Das ist ganz einfach“, erklärt Kramer den staunenden Schülern. „Nehmen wir einmal Liverpool, denn da kenne ich mich ein bisschen aus. Der Club hatte vor seinem Champions-League-Erfolg eine weltweite Fanbase von etwa 800 Millionen Anhängern. Wenn ein Trikot dem Club bei einem Kaufpreis von 100 Euro nur 50 Euro einbringt, dann wäre Messi bereits bei weltweit 10 Millionen Verkäufen gegenfinanziert!“

Das funktioniert mittlerweile auch für Vereine wie Salzburg und Leipzig. Um sie im Fußballgeschäft da hinzubekommen, wo sie heute stehen, gab es anfangs riesige Anschubhilfen. Seit einigen Jahren tragen sich diese Clubs selbst und werfen durch ihre Transfers sogar Gewinne ab, die an den Red-Bull-Eigner zurückfließen. „Mit einem Transferüberschuss von über 170 Millionen war Red Bull Salzburg zwischen 2014 und 2019 die Nummer fünf in Europa“, sagt Kramer.

Auf die Frage, ob ihm das Geld oder der Kontakt zu den Spielern wichtiger sei, antwortet der Fußballlehrer, dass sich derjenige, der nur auf „die Kohle schaut“, nicht lange halten wird. Ohnehin haben Trainer heutzutage eine kurze Haltbarkeit. „Wenn du die Kabine verlierst, dann kannst du schon mal deine Sachen packen.“ Über Bayerntrainer Hansi Flick, den er aus der gemeinsamen Zeit beim DFB sehr gut kennt, sagt Kramer, dass der ein Paar Dinge anders gemacht hat als sein Vorgänger: „Hansi hat die Leute halt richtig gepackt, mit viel Empathie.“

Was er von Bezahlung im Jugendfußball halte, will abschließend ein Schüler wissen. „Das sehe ich sehr kritisch“, gibt Kramer zu bedenken. Denn wenn ein junges Talent beispielsweise einen Fünfjahresvertrag über 40 Millionen unterschreibt, dann fängt es an, „das Leben in der Blase“. Da wird dann der Pauschaltrip mit Freundin für 550 Euro nach Mallorca eben schnell zum Segeltörn mit Mannschaftskollegen auf der Yacht für 30.000 Euro am Tag. „Wenn du so viel verdienst“, wendet sich der Fußballlehrer an den Schüler, „dann überlegst du dir auch, ob du Golf oder AMG fährst.“

T. Beckenbach


 
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