Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
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"Kolping Roadshow Integration" am GFS

Drei Tage lang stand das Infomobil "Roadshow Integration" vom Kolping Netzwerk für Geflüchtete in der letzten Schulwoche vor den Ferien im Innenhof des Gymnasiums Fränkische Schweiz. Annika Salingré aus Köln, Carolin Lanksch aus Münster und Tonja Klausmann aus Berlin waren damit gekommen, um mit Schülerinnen und Schülern über Themen wie Fluchtursachen, Vorurteile und Integration zu sprechen. Während sich an zwei Tagen zwölf Klassen zusammen mit den Kolpingmitarbeitern in ihren Klassenzimmern intensiver mit diesen Themen auseinandersetzten, hatten acht weitere Klassen die Möglichkeit, sich am Infomobil über die Themen Flucht und Integration zu informieren. Während einer kurzen Verschnaufpause war auch noch Zeit für ein Gespräch. Tonja Klausmann stand Rede und Antwort. Zum Interview...

Tonja, das "Infomobil Roadshow Integration", was ist das eigentlich?

Das ist ein Angebot vom Kolping Netzwerk für Geflüchtete, finanziert von der EU, mit dem wir durch Deutschland fahren, um möglichst viele verschiedene Menschen zu erreichen und mit ihnen über Fluchtursachen, Vorurteile und Integration zu sprechen.

In den Medien wird doch schon so viel über diese Themen geredet. Warum braucht es dann noch dieses Angebot?

Mit Medien kann man nicht diskutieren, aber mit uns. Schülerinnen und Schüler können Fragen stellen, und wir können mit ihnen darüber sprechen und gemeinsam nach Antworten suchen. Medien können nicht antworten. Wir arbeiten dabei mit Fakten, z.B. Statistiken, berichten aber auch von Einzelschicksalen von Menschen, die nach Deutschland geflohen sind.

Warum denkst du dafür qualifiziert zu sein, mit Schülerinnen und Schülern über diese Themen zu reden und zu diskutieren?

Wir haben im Vorfeld von Kolping Schulungen bekommen. Zuvor habe ich Politikwissenschaften studiert, manche Kolleginnen und Kollegen auch Pädagogik oder Sozialwissenschaften. Wir engagieren uns aber auch privat, also ehrenamtlich, auf verschiedene Art und Weise in der Flüchtlingsarbeit. Mir persönlich ist es wichtig für meine Überzeugungen und Werte einzutreten: für Toleranz, Vielfalt, Respekt und Offenheit.

Wie konkret leistest du Flüchtlingshilfe und was hast du dabei erlebt?

Ich habe 2015 ein Jahr in Jordanien gelebt, mich in einem Flüchtlingscamp für Opfer von Gewalt eingesetzt. Damals waren in diesem Lager ungefähr eine Million Geflüchtete untergebracht unter sehr schlechten Bedingungen. Für mich war es schwer, mit dem Kontrast meines Lebens und dem der Geflüchteten umzugehen. Immer wenn ich abends aus dem Camp wieder in meine warme, sichere Wohnung mit ausreichend Lebensmitteln und fließendem Wasser zurück gekehrt bin, habe ich mir die Frage gestellt, warum mir diese Rechte und Privilegien gewährt werden, den Menschen im Flüchtlingscamp aber nicht.
Als ich dann nach Deutschland zurückkehrte, war die Debatte, die hier geführt wird, für mich wie ein Schock. Wir leben in Deutschland im Überfluss. In Jordanien ist das anders - die Wasserversorgung ist ein Beispiel dafür: Jordanien hat keinen eigenen Zugang zu Süßwasser. Sie bekommen ihr Wasser aus Israel, dies ist vertraglich geregelt. Jede Familie hat einen Wasserbehälter zur Verfügung, der immer mittwochs gefüllt wurde, wenn er leer war, war er leer, auch wenn ich gerade Shampoo auf dem Kopf hatte. Als die Portion Wasser aufgrund der vielen Geflüchteten für jede Familie verringert wurde, hat dort niemand protestiert. Es war für die Bevölkerung selbstverständlich, dass Wasser mit den Geflüchteten zu teilen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie die Reaktion in Deutschland wäre, wenn etwas ähnliches geschehen würde.
Auch in meiner Heimat Berlin engagiere ich mich ehrenamtlich für Geflüchtete, übersetze für sie bei Behörden, zeige ihnen ihre Möglichkeiten z. B. für Berufswege in Deutschland auf, helfe ihnen, sich in der Fremde, die für sie Deutschland ist, zu orientieren und unternehme manchmal Ausflüge oder ähnliches, um ein paar Stunden, in denen Sorgen und Ängste, um die Zukunft und zurückgebliebene Verwandte, zurück gelassen werden können.

Hattest du als junge Frau denn nie Angst, wenn du mit diesen uns "fremden" Menschen aus einer anderen Kultur zu tun hattest? In den Medien hört man doch immer wieder, dass arabische Männer oft frauenfeindlich sind.

Ich hatte schon negative Erfahrungen, z.B. in Jordanien; dort wurde ich mehrfach auf der Straße belästigt. Dadurch entstanden in mir Vorurteile gegenüber arabischen Männern, die ich in meinem Kopf immer wieder bekämpfe, denn natürlich sind nicht alle arabischen Männer frauenfeindlich. Die Geflüchteten, mit denen ich in Berlin zusammenarbeite, treffe ich zuerst immer im öffentlichen Raum und hatte noch nie Probleme. Ich erfahre viel Dankbarkeit, gerade weil ich Arabisch spreche und ganz viele Geflüchtete lange nicht mehr die Möglichkeit hatten in einer ihnen vertrauten Sprache über ihre Erfahrungen zu berichten und gehört zu werden.

Du kommst aus Berlin - was ist anders, wenn du mit dem Infomobil an einer Schule in Berlin bzw. in Großstädten stehst?

Die Klassenzusammensetzung - in Großstädten ist der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund viel größer. Vorurteile gibt es aber überall, sowohl in der Großstadt als auch auf dem Land. In der Großstadt kommt meiner Erfahrung nach oft die Frage, wie man seine Freundinnen und Freunde vor Diskriminierung schützen kann. Diese Frage wird auf dem Land seltener gestellt.

Wird das Infomobil nur an Schulen eingesetzt?

Wir sind an Schulen in ganz Deutschland unterwegs, aber auch beispielsweise auf Stadtfesten, bei Vereinen und verschiedensten Veranstaltungen. Unser Besuch ist kostenlos und wird von der EU aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfond finanziert.

Welche Eindrücke nehmt ihr mit von unserer Schule?

Viele interessante Diskussionen mit Schülerinnen und Schülern und zwischen ihnen. Am Anfang war in einigen Klassen eine gewisse Hemmschwelle, über diese Themen zu reden, schnell wurde aber offen gesprochen und die Schülerinnen und Schüler zeigten sich interessiert.

Liebe Tonja, Danke für das Gespräch.

K. Martin

 


 
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