Zweiundzwanzig Prinzessinnen in Prag
"Same princesne", "lauter Prinzessinnen", murmelt lächelnd der Wärter im Veitsdom, als zweiundzwanzig Schülerinnen der neunten Klassen an ihm vorbei in die Kaisergruft hinabdefilieren. Die ist für normale Besucher geschlossen, aber für Prinzessinnen gibt es schon einmal eine Ausnahme - und so durften wir auch in die Kapelle des Hl. Wenzel, in der, hinter einer Tür mit sieben Schlössern, die böhmischen Kronjuwelen aufbewahrt werden.
Tatsächlich hatten dieses Jahr überhaupt keine männlichen Bewerber am Austausch mit dem Erzbischöflichen Gymnasium Prag teilgenommen, sehr zum Bedauern der Prager Schülerinnen, wie überliefert wird.
Es hat aber vielleicht auch seine Vorteile, denn:
Zweiundzwanzig Prinzessinnen…
…dürfen natürlich an der Tanzstunde ihrer Austauschpartnerinnen und -partner teilnehmen, wo die Damen Kleider, die Herren Anzug und Handschuhe tragen.
…fühlen sich auf der Bowlingbahn genau so wohl wie beim Besuch von Bizets "Carmen" im Nationaltheater.
…sind immer höflich und meistens bester Laune (auch im Ghetto-Museum von Theresienstadt, na ja…)
…verlieren auch dann nicht die Geduld, wenn die Stadtführerin nach zwanzig Minuten und dem Satz: "Ich fasse noch einmal kurz zusammen" noch einmal Hussitenkriege und Fenstersturz referiert.
…müssen gar nicht so oft auf's Klo, wie man denken könnte.
…muss man nicht immer verstehen (oder was sollten die Schlachtrufe: "Helga" und "Mimimi"bedeuten?)
…haben schon viele Ideen für den Gegenbesuch der Prager in Ebermannstadt im Frühjahr.
J. Stahlmann
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