Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt
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Museumsbesuch in Forchheim: Schalom und Schabbat

Die Erinnerung wach halten: eine Exkursion der 9. Jahrgangsstufe nach Forchheim

Es ist nicht nur Neugierde, was denn die anderen so glauben, wenn sich die Neuntklässer auf das Judentum einlassen. Da die Religion in diesem Fall nicht vom Volk der Juden zu trennen ist und deren Geschichte vor allem im letzten Jahrhundert schicksalhaft mit der deutschen Geschichte verknüpft ist, stoßen wir auf die Frage, warum Christen das Judentum immer wieder als unerträgliche Provokation empfanden.
Es genügt nicht, sich einen fremden Glauben anhand von Texten oder Vorträgen zu erschließen. Begreifen lässt er sich erst, wenn man die Gebete auf Hebräisch hört, die Glaubenssymbole vor Augen hat und anfassen kann, das ungesäuerte Mazzenbrot schmeckt oder man selbst in die Rolle eines frommen Juden schlüpft, indem man die Kippa aufsetzt und sich in einen Gebetsmantel, den Tallith, hüllt. Die Gelegenheit dazu hatten die Schüler der 9. Jahrgangsstufe im Rahmen einer Kooperation im Religionsunterricht am 22. und 29. Oktober 2010 bei einer Exkursion nach Forchheim, wo sie im Pfalzmuseum die Sonderausstellung „Schalom und Schabbat“ besuchten. In drei Gruppen geteilt, wurden die einen im Kellergewölbe mit der Geschichte, den Symbolen und Besonderheiten des jüdischen Glaubens vertraut gemacht, während andere, mit einem Ausstellungsplan und Fragebogen versehen, selbstständig in Kleingruppen die Exponate erkundeten.
Währenddessen führte unsere Kollegin Frau Schwarzmann kompetent eine dritte Gruppe zu Stätten in Forchheim, an denen die wechselvolle Geschichte der hiesigen Juden noch erkennbar ist. Dabei stützte sie sich auf die Erkenntnisse und Arbeiten des Heimatforschers und Kollegen am Herder-Gymnasium Rolf Kießling. Die Führung begann am Pfalzmuseum, dem Außensitz des Bamberger Bischofs, für den die „Schutzjuden“ eine zuverlässige Einnahmequelle darstellten. Auf der Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkriegs am Rathausplatz sind auch Mitbürger jüdischen Glaubens mit ganz unauffälligen Namen wie Schmitt oder Gröschel vermerkt. Das Schicksal einzelner Familien zeigte Frau Schwarzmann sodann anhand verschiedener Geschäfte in der Bamberger Straße und der Hauptstraße auf. Dort, wo 1941 für die letzten Forchheimer Juden die Deportation in den Osten begann, steht seit kurzem eine Gedenktafel, die ihre Namen festhält. Die Führung endete im ehemaligen Judenviertel in der Wiesentstraße, wo eine Baulücke und gegenüber ein Gedenkstein an die Forchheimer Synagoge erinnern, die am 10. November 1938 von Nationalsozialisten gesprengt wurde.
Es mag sein, dass die Jugendlichen die Zusammenhänge noch nicht erfassen konnten, weil ihnen teilweise die geschichtlichen Hintergründe fehlen, aber es war Beklemmung zu spüren, wenn man erfährt, wie Bürger an Mitbürgern zu Mördern werden, an Mitbürgern, die sich nichts anderes gewünscht hätten, als dass auch ihr Glaube an den gemeinsamen Gott akzeptiert wird: eine Erinnerung, die man wach halten sollte.

Bernd Heberlein


 
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